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Medikamente verstehen

Von Lars Tiedemann, Dipl. Heilpädagoge · Stand:
Gilt für Deutschland: Die genannten Gesetze sind deutsches Recht. Die UN-Behindertenrechtskonvention gilt international – ihre Umsetzung ist von Land zu Land verschieden.
Diese Gesetze gelten in Deutschland.
Andere Länder haben andere Gesetze.
Das Recht auf Teilhabe gilt überall.

Worum es hier geht

Keine ärztliche Beratung. Auf dieser Seite stehen keine Dosierungen, keine Produktnamen und keine Empfehlungen, etwas einzunehmen oder wegzulassen. Was Sie nehmen und wie viel, entscheidet Ihre Ärztin. Was hier steht, sind die Fragen, die man ihr stellen darf.

Menschen mit Behinderungen nehmen im Schnitt deutlich mehr Medikamente als andere Menschen gleichen Alters – und sie werden seltener gefragt, wie es ihnen damit geht. Diese Seite ist für beide Seiten geschrieben: für Menschen, die Medikamente nehmen, und für die, die sie stellen und anreichen.

Wichtig:
Hier steht keine ärztliche Beratung.
Hier stehen keine Mengen.
Ihre Ärztin entscheidet, was Sie nehmen.

Hier stehen die Fragen,
die Sie stellen dürfen.

Wie kommt das Medikament in den Körper?

Eine Tablette ist fest und wird geschluckt.
Nehmen Sie ein grosses Glas Wasser dazu.
Bleiben Sie beim Schlucken aufrecht sitzen.
Manche Tabletten haben eine Kerbe.
Nur dann darf man sie teilen.
Ob Sie teilen dürfen, steht in Ihrem Plan.

Eine Kapsel ist eine Hülle.
Innen ist das Medikament, oft als Pulver.
Die Hülle löst sich erst im Bauch auf.
Darum darf man Kapseln meistens nicht öffnen.
Fällt Ihnen das Schlucken schwer?
Fragen Sie nach. Vieles gibt es auch als Saft.

Saft und Tropfen sind flüssig.
Sie sind gut, wenn Schlucken schwer fällt.
Die Menge wird genau abgemessen.
Mit einem Messbecher, einer Spritze oder einem Loeffel aus der Packung.
Ein Küchen-Löffel ist zu ungenau.
Manche Säfte muss man vorher schütteln.

Diese Tablette wird nicht geschluckt.
Sie kommt auf die Zunge.
Dort löst sie sich von allein auf.
Man braucht kein Wasser dazu.
Das hilft, wenn Schlucken schwer fällt.
Fassen Sie die Tablette nur mit trockenen Fingern an.

Ein Zäpfchen wird in den Po eingeführt.
Dort schmilzt es von allein.
Das ist gut bei Übelkeit und Erbrechen.
Denn es muss nichts geschluckt werden.
Vielen Menschen ist das unangenehm.
Sie dürfen bestimmen, wer Ihnen dabei hilft.

Manche Medikamente kleben auf der Haut.
Der Wirkstoff geht langsam durch die Haut.
Ein Pflaster wirkt oft mehrere Tage.
Kleben Sie es auf saubere, trockene Haut.
Wechseln Sie jedes Mal die Stelle.
Das alte Pflaster muss immer abgemacht werden.

Manche Medikamente vertragen den Magen nicht.
Sie kommen mit einer feinen Nadel unter die Haut.
Meistens am Bauch oder am Oberschenkel.
Das machen Sie selbst oder die Pflege.
Wechseln Sie jedes Mal die Stelle.
Sonst wird die Haut an einer Stelle hart.

Bei einer Infusion läuft das Medikament in die Vene.
Es hängt in einem Beutel an einem Ständer.
Ein dünner Schlauch führt zum Arm.
Das dauert oft eine Stunde oder länger.
Sie können dabei sitzen und lesen.
Sagen Sie Bescheid, wenn die Stelle brennt.

Dieses Medikament wird eingeatmet.
So kommt es direkt in die Lunge.
Viele nehmen dazu eine Kammer.
Die heisst Spacer und macht es leichter.
Spülen Sie danach den Mund aus.
Sonst kann die Schleimhaut wund werden.

Diese Tropfen wirken nur an einer Stelle.
Legen Sie den Kopf nach hinten.
Ziehen Sie das Unterlid leicht nach unten.
Die Spitze darf das Auge nicht berühren.
Schliessen Sie danach kurz die Augen.
Ohren-Tropfen sollten handwarm sein.

Salbe und Creme kommen auf die Haut.
Meistens wirken sie nur dort.
Waschen Sie vorher die Hände.
Tragen Sie nur eine dünne Schicht auf.
Mehr hilft nicht mehr.
Waschen Sie danach wieder die Hände.

Das Spray geht in die Nase.
Beugen Sie den Kopf leicht nach vorn.
Halten Sie das andere Nasenloch zu.
Sprühen Sie und atmen Sie sanft ein.
Ziehen Sie nicht kräftig hoch.
Manche Sprays darf man nur wenige Tage nehmen.

Über eine Sonde geht nur Flüssiges.
Am besten ein Saft oder eine gelöste Form.
Feste Tabletten können die Sonde verstopfen.
Nicht jede Tablette darf gemörsert werden.
Fragen Sie in der Apotheke nach.
Spülen Sie die Sonde vorher und nachher mit Wasser.
Geben Sie die Medikamente einzeln, nicht gemischt.

Wofür ist das Medikament da?

Diese Medikamente nehmen Schmerz und Fieber.
Die Ursache machen sie nicht weg.
Manche wirken auch gegen Entzündung.
Nehmen Sie sie nicht länger als besprochen.
Auf Dauer können sie dem Magen schaden.
Sagen Sie es, wenn der Schmerz nicht weggeht.

Antibiotika wirken gegen Bakterien.
Gegen Viren wirken sie nicht.
Eine Erkältung ist meistens ein Virus.
Nehmen Sie die Packung immer zu Ende.
Auch wenn es Ihnen schon besser geht.
Sonst können die Bakterien zurückkommen.

Diese Medikamente sollen Anfälle verhindern.
Sie wirken nur, wenn man sie regelmässig nimmt.
Immer zur gleichen Zeit.
Setzen Sie sie nie plötzlich ab.
Das kann viele Anfälle auslösen.
Am Anfang machen manche müde. Das wird oft besser.

Spastik heisst: Die Muskeln sind zu fest.
Diese Medikamente machen die Muskeln lockerer.
Das kann Schmerzen nehmen.
Es kann auch müde machen.
Zu locker ist auch nicht gut.
Die richtige Menge zu finden, braucht Zeit.

Diese Medikamente machen das Blut dünner.
So entstehen weniger Blut-Gerinnsel.
Dafür blutet es länger, wenn Sie sich verletzen.
Sagen Sie es vor jeder Untersuchung.
Und vor jedem Zahnarzt-Termin.
Nach einem Sturz auf den Kopf: sofort zur Ärztin.

Davon gibt es viele verschiedene.
Manche senken den Blutdruck.
Manche machen den Herzschlag ruhiger.
Manche nehmen Wasser aus dem Körper.
Sie wirken nur bei regelmässiger Einnahme.
Man spürt oft nichts davon. Das ist normal.

Diese Medikamente schützen den Magen.
Sie machen weniger Magen-Säure.
Oft gibt es sie zusammen mit Schmerz-Mitteln.
Meistens nimmt man sie morgens vor dem Essen.
Nehmen Sie sie nicht dauerhaft ohne Absprache.

Diese Medikamente helfen beim Stuhl-Gang.
Wer sich wenig bewegt, hat oft Verstopfung.
Manche wirken erst nach einigen Stunden.
Trinken Sie genug dazu.
Bewegung und Ballaststoffe helfen auch.
Bei starken Bauch-Schmerzen erst nachfragen.

Diese Medikamente nehmen die Übelkeit.
Es gibt sie auch als Zäpfchen.
Das hilft, wenn Schlucken gerade nicht geht.
Manche machen müde.
Bei Erbrechen ist Trinken besonders wichtig.

Es gibt sie gegen Angst, gegen Traurigkeit und mehr.
Sie wirken oft erst nach mehreren Wochen.
Das ist normal und kein schlechtes Zeichen.
Setzen Sie sie nie plötzlich ab.
Sie ersetzen kein Gespräch und keine Begleitung.
Unruhe ist nicht immer die Psyche. Manchmal sind es Schmerzen.

Diese Medikamente nehmen Juckreiz und Niesen.
Manche machen müde.
Neuere machen weniger müde.
Bei einem allergischen Schock reichen sie nicht.
Dann braucht es den Notfall-Pen und die 112.

Die Schilddrüse sitzt vorn am Hals.
Sie macht Hormone für den ganzen Körper.
Fehlen die Hormone, wird man müde und friert.
Dann gibt es sie als Tablette.
Meistens nüchtern, eine halbe Stunde vor dem Essen.

Insulin bringt den Zucker aus dem Blut in die Zellen.
Es wird gespritzt, nicht geschluckt.
Die Menge hängt vom Essen und vom Zucker-Wert ab.
Zu viel Insulin macht eine Unterzuckerung.
Traubenzucker gehört darum immer in die Nähe.

Cortison dämpft Entzündungen.
Es wirkt oft schnell und gut.
Auf Dauer hat es Neben-Wirkungen.
Zum Beispiel dünne Knochen und mehr Zucker im Blut.
Setzen Sie es nie plötzlich ab.
Der Körper braucht Zeit zum Umstellen.

Regeln beim Einnehmen

Nüchtern heisst: mit leerem Magen.
Meistens eine halbe bis eine Stunde vor dem Essen.
Manche Medikamente wirken sonst schlechter.
Wasser ist dabei erlaubt.
Ob nüchtern nötig ist, steht in Ihrem Plan.

Manche Medikamente vertragen sich besser mit Essen.
Sie schonen dann den Magen.
Andere brauchen Fett, um zu wirken.
„Zum Essen“ heisst: während oder direkt danach.

Nehmen Sie ein grosses Glas Wasser.
Nicht nur einen Schluck.
Sonst bleibt die Tablette in der Speise-Röhre stecken.
Dort kann sie wehtun.
Bleiben Sie danach eine halbe Stunde aufrecht.

Manche Tabletten haben einen Schutz-Mantel.
Der sorgt dafür, dass sie langsam wirken.
Wird die Tablette zerkleinert, wirkt alles auf einmal.
Das kann gefährlich sein.
Fragen Sie in der Apotheke, was erlaubt ist.
Oft gibt es dasselbe Medikament als Saft.

Grapefruit-Saft verändert die Wirkung vieler Medikamente.
Milch kann manche Antibiotika unwirksam machen.
Nehmen Sie Medikamente am besten mit Wasser.
Auch Kaffee und Tee passen nicht zu allem.

Viele Medikamente brauchen einen festen Spiegel im Blut.
Darum ist die Uhrzeit wichtig.
Ein Wecker oder eine Erinnerung hilft.
Eine Tabletten-Box mit Fächern auch.

Manche Medikamente nimmt man eine bestimmte Zeit lang.
Zum Beispiel Antibiotika.
Hören Sie nicht früher auf.
Auch wenn es Ihnen schon besser geht.

Manche Medikamente darf man nicht einfach weglassen.
Zum Beispiel gegen Anfälle, für die Psyche oder Cortison.
Der Körper hat sich daran gewöhnt.
Plötzliches Absetzen kann gefährlich sein.
Besprechen Sie das Aufhören immer vorher.

Der Medikamenten-Plan

Wer mindestens drei verordnete Medikamente gleichzeitig und über mindestens 28 Tage anwendet, hat einen gesetzlichen Anspruch auf einen Medikationsplan auf Papier – und die Ärztin muss beim Verordnen sogar von sich aus darauf hinweisen (§ 31a SGB V). Sie aktualisiert ihn, wenn sich etwas ändert; die Apotheke tut es auf Wunsch beim Abgeben.

Der Plan gehört in die Tasche für jeden Termin, in die Notfallmappe und ans Bett, wenn es ins Krankenhaus geht. Er beantwortet in zehn Sekunden, wofür sonst zehn Minuten Telefonieren nötig wären.

Zwei Dinge, die oft fehlen und hineingehören: was ohne Rezept genommen wird – Schmerztabletten, Abführmittel, Nahrungsergänzung – und wofür jedes Mittel eigentlich da ist. Ein Plan, der nur Namen auflistet, hilft niemandem beim Nachfragen.

Nehmen Sie 3 Medikamente oder mehr?
Und das länger als 4 Wochen?

Dann haben Sie ein Recht:
Sie bekommen einen Medikamenten-Plan.
Auf Papier.
Von Ihrer Ärztin.

Auf dem Plan steht:
Welche Medikamente nehmen Sie?
Wann nehmen Sie sie?
Wofür sind sie?

Nehmen Sie den Plan mit:
zu jedem Arzt-Termin.
Und ins Kranken-Haus.

Neben-Wirkungen – und die Frage, die zu selten kommt

Ein Medikament wirkt nicht nur dort, wo es soll. Was daneben passiert, heißt Neben-Wirkung. Manche sind harmlos, manche gehen nach ein paar Wochen weg, manche bleiben und lassen sich nur durch einen Wechsel lösen.

Bei Menschen, die sich nicht oder wenig äußern können, passiert dabei etwas Bestimmtes: Die Neben-Wirkung wird der Person zugeschrieben. Sie wird zum Wesenszug, zum Verhalten, zur Verschlechterung – und nicht zu dem, was sie ist. Drei Beispiele, die immer wieder vorkommen:

  • Jemand nimmt zu und wird zum Abnehmen ermahnt. Dass bestimmte Psychopharmaka das Gewicht erhöhen, steht auf keinem Merkzettel am Kühlschrank.
  • Jemand wird unruhiger statt ruhiger. Dass ein beruhigendes Mittel bei manchen Menschen genau das Gegenteil bewirkt, wird selten mitgedacht.
  • Jemand ist ständig müde und antriebslos. Das gilt als Wesensart – und ist manchmal eine Schild-Drüsen-Unterfunktion oder eine Neben-Wirkung, die ein Bluttest klärt.

Daraus folgt eine Frage, die auf jedem Termin gestellt werden darf: „Kann das vom Medikament kommen?“ Besonders dann, wenn sich etwas verändert hat, seit ein Mittel neu dazugekommen ist oder die Menge geändert wurde.

Ein Medikament hilft gegen etwas.
Aber es kann auch etwas anderes machen.
Das heißt: Neben-Wirkung.

Zum Beispiel:
Sie werden schwer und dick.
Oder Sie sind immer müde.
Oder Sie sind unruhig.

Wichtig:
Das ist nicht Ihre Schuld.
Das kann am Medikament liegen.

Fragen Sie Ihre Ärztin:
„Kann das vom Medikament kommen?“

Fragen Sie das vor allem dann,
wenn sich etwas verändert hat.

Wenn eine Einnahme vergessen wurde

Es gibt darauf keine allgemeine Antwort, und jede, die im Internet steht, ist für irgendein Mittel falsch. Bei manchen Medikamenten ist eine vergessene Gabe harmlos, bei anderen – etwa bei Epilepsie-Medikamenten – kann sie einen Anfall auslösen.

Deshalb gilt hier nur eines: Fragen Sie Ihre Ärztin oder die Apotheke. Verdoppeln Sie nichts von selbst. Und lassen Sie sich die Antwort einmal aufschreiben – dann steht sie beim nächsten Mal auf dem Zettel und nicht im Gedächtnis von jemandem, der gerade Dienst hatte.

Wenn Einnahmen häufiger vergessen werden, ist das keine Frage von Zuverlässigkeit, sondern von Organisation: feste Zeiten, ein Wochen-Dispenser, ein Wecker, eine Zuständigkeit, die im Dienstplan steht.

Sie haben ein Medikament vergessen?

Nehmen Sie nicht einfach 2 Stück.
Das kann gefährlich sein.

Fragen Sie Ihre Ärztin.
Oder fragen Sie in der Apotheke.

Lassen Sie sich die Antwort aufschreiben.
Dann wissen es alle beim nächsten Mal.

Viele Medikamente auf einmal

Fachleute nennen es Polypharmazie: viele Mittel gleichzeitig. Jedes einzelne kann richtig verordnet sein – und trotzdem passt die Summe nicht mehr, weil sich Wirkungen gegenseitig verstärken oder aufheben.

Was hilft, ist ein regelmäßiger Blick auf die ganze Liste, nicht auf das einzelne Rezept. Einmal im Jahr gehört jedes Mittel gefragt: Wofür ist es? Wirkt es noch? Wer hat es angesetzt und warum? Braucht es das immer noch?

Besonders genau lohnt sich diese Frage bei Mitteln, die Verhalten dämpfen sollen. Unsere Seite Gesundheit und Vorsorge beschreibt, wie häufig solche Mittel bei Menschen mit Behinderungen ohne psychiatrische Diagnose gegeben werden. Sie dürfen nach dem Grund fragen, Sie dürfen eine Überprüfung verlangen, und Sie dürfen eine zweite Meinung einholen.

Manche Menschen nehmen sehr viele Medikamente.

Jedes einzelne kann richtig sein.
Aber zusammen sind es vielleicht zu viele.

Fragen Sie einmal im Jahr:
Wofür ist dieses Medikament?
Hilft es noch?
Brauche ich es noch?

Sie dürfen auch eine 2. Meinung holen.
Von einer anderen Ärztin.

Wer darf stellen, wer darf geben?

Im Alltag mit Assistenz ist das eine der häufigsten offenen Fragen. Grob unterschieden wird zwischen dem Richten (Medikamente in den Wochen-Dispenser sortieren), dem Anreichen (die schon gerichtete Gabe hinstellen oder reichen) und Maßnahmen wie dem Spritzen, die zur Behandlungspflege gehören.

Wer im Einzelfall was tun darf, hängt an der Person, an der ärztlichen Anordnung und an dem, was mit dem Dienst oder im Arbeitgebermodell vereinbart ist. Wichtig ist, dass es schriftlich geregelt und eingewiesen ist – besonders bei Bedarfs-Medikamenten im Notfall: Wer gibt was, wann, und wer wird danach informiert? Diese Anweisung kommt von der Ärztin.

Keine Rechtsberatung. Was im Einzelfall gilt, klären die behandelnde Ärztin, der Pflegedienst und gegebenenfalls die rechtliche Betreuung. Eine unabhängige Auskunft gibt die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB).

Wer darf mir Medikamente geben?

Es gibt einen Unterschied:

Richten:
Die Medikamente in eine Box sortieren.

Anreichen:
Die fertige Portion hinstellen oder geben.

Spritzen:
Das ist Pflege. Dafür braucht es eine Anordnung.

Wichtig:
Das muss aufgeschrieben sein.
Und jemand muss es erklärt haben.

Das gilt vor allem für Notfall-Medikamente.

Fragen, die im Termin helfen

Die Person und ihr Umfeld

Das nehme ich mit

  • Den aktuellen Medikamenten-Plan – auch das, was ohne Rezept genommen wird.
  • Eine Notiz, was sich seit dem letzten Mal verändert hat: Schlaf, Appetit, Gewicht, Stimmung, Unruhe, Anfälle.
  • Die Frage: „Kann das vom Medikament kommen?“
  • Die Frage: „Brauche ich das alles noch?“
  • Und wenn ein Mittel nicht vertragen wird: das sagen, statt es wegzulassen.
Ärztinnen, Ärzte, Apotheke, Pflege

Das macht den Unterschied

  • Wofür jedes Mittel da ist, in einem Satz auf den Plan schreiben – nicht nur den Namen.
  • Beim Ansetzen sagen, woran man merkt, dass es wirkt und woran man eine Neben-Wirkung erkennt.
  • Bei einer Verhaltensänderung zuerst die Medikamentenliste ansehen, bevor eine neue Diagnose gestellt wird.
  • Eine schriftliche Anweisung für Bedarfs-Medikamente mitgeben: wer, wann, wie viel, und wer danach informiert wird.
  • Mit der Person sprechen, nicht über sie – auch beim Thema Medikamente.

Das nehmen Sie mit zum Termin:
Ihren Medikamenten-Plan.
Eine Notiz: Was hat sich verändert?

Das fragen Sie:
Kann das vom Medikament kommen?
Brauche ich das alles noch?

Das kann die Ärztin tun:
Aufschreiben, wofür jedes Medikament ist.
Sagen, woran man merkt, dass es wirkt.
Bei Veränderungen zuerst die Liste ansehen.

Quellen

  • § 31a SGB V (Medikationsplan), geprüft am 24. August 2026: Anspruch bei mindestens drei gleichzeitig angewendeten, verordneten Arzneimitteln über mindestens 28 Tage; Hinweispflicht der Ärztin beim Verordnen; Aktualisierung durch Ärztin und – auf Wunsch – durch die Apotheke.
  • Kassenärztliche Bundesvereinigung, Vereinbarung gemäß § 31a Abs. 4 SGB V über Inhalt, Struktur und Vorgaben zum Medikationsplan.
  • Die Beobachtungen zur Zuschreibung von Neben-Wirkungen stützen sich auf den Abschnitt „Medikamente statt Antwort“ unserer Seite Gesundheit und Vorsorge.

Wir haben das geprüft.
Am 24. August 2026.

Das Recht auf den Medikamenten-Plan
steht im Gesetz.
Es heißt Paragraf 31a SGB 5.

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