Ein Medikament wirkt nicht nur dort, wo es soll. Was daneben passiert, heißt
Neben-Wirkung. Manche sind harmlos, manche gehen nach ein paar Wochen weg, manche
bleiben und lassen sich nur durch einen Wechsel lösen.
Bei Menschen, die sich nicht oder wenig äußern können, passiert
dabei etwas Bestimmtes: Die Neben-Wirkung wird der Person zugeschrieben.
Sie wird zum Wesenszug, zum Verhalten, zur Verschlechterung – und nicht zu dem,
was sie ist. Drei Beispiele, die immer wieder vorkommen:
- Jemand nimmt zu und wird zum Abnehmen ermahnt. Dass bestimmte Psychopharmaka
das Gewicht erhöhen, steht auf keinem Merkzettel am Kühlschrank.
- Jemand wird unruhiger statt ruhiger. Dass ein beruhigendes Mittel bei manchen
Menschen genau das Gegenteil bewirkt, wird selten mitgedacht.
- Jemand ist ständig müde und antriebslos. Das gilt als Wesensart
– und ist manchmal eine Schild-Drüsen-Unterfunktion oder eine
Neben-Wirkung, die ein Bluttest klärt.
Daraus folgt eine Frage, die auf jedem Termin gestellt werden darf:
„Kann das vom Medikament kommen?“ Besonders dann, wenn
sich etwas verändert hat, seit ein Mittel neu dazugekommen ist oder die Menge
geändert wurde.
Ein Medikament hilft gegen etwas.
Aber es kann auch etwas anderes machen.
Das heißt: Neben-Wirkung.
Zum Beispiel:
Sie werden schwer und dick.
Oder Sie sind immer müde.
Oder Sie sind unruhig.
Wichtig:
Das ist nicht Ihre Schuld.
Das kann am Medikament liegen.
Fragen Sie Ihre Ärztin:
„Kann das vom Medikament kommen?“
Fragen Sie das vor allem dann,
wenn sich etwas verändert hat.