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Künstliche Intelligenz in der Unterstützten Kommunikation

Von Lars Tiedemann, Dipl. Heilpädagoge · Stand:

KI & Unterstützte Kommunikation

Künstliche Intelligenz kann die Unterstützte Kommunikation (UK) spürbar verändern: schnelleres Antworten, bessere Wortvorhersagen, individuellere Anpassungen. Die Wirksamkeit in der Praxis ist bislang allerdings kaum durch Studien belegt – das gilt sogar für die Wortvorhersage, die es seit Jahrzehnten gibt.

Diese Seite gibt einen Überblick: was heute technisch möglich ist, wie es im Alltag aussieht, wie man Hilfen nach ihrer Eingriffstiefe ordnen kann, welche Chancen und Fragen damit verbunden sind, und wofür wir stehen. Wer es ausführlich möchte, findet unten die Verweise auf unsere Grundlagentexte und das Positionspapier – alle kostenlos.

Computer können jetzt selbst lernen.
Das nennt man: Künstliche Intelligenz.
Die Abkürzung ist: KI.
KI hilft Menschen beim Reden mit dem Computer.
Zum Beispiel schlägt der Computer passende Wörter vor.
Das macht das Reden schneller.
Auf dieser Seite steht, was KI kann.
Und was uns dabei wichtig ist.
Es gibt auch Videos zum Anschauen.

Die Leitfrage: Wessen Worte sind das?

Jeder Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Unterstützten Kommunikation muss sich an einer Frage messen lassen: Wessen Worte sind das? Für Menschen, deren Stimme ständig überhört, gedeutet und ersetzt wird, ist das kein Detail. Es ist der ganze Punkt.

Dabei gibt es zwei Irrtümer, nicht einen. Der erste ist die Übernahme: Eine Hilfe greift so tief ein, dass die Äußerung nicht mehr der Person gehört. Der zweite ist die Vorenthaltung: Aus Sorge vor dem ersten Irrtum bekommt die Person Hilfen nicht, die ihr zustünden. Beide sind Fehler. Alles auf dieser Seite ist unter dieser Doppel-Bedingung geschrieben: nichts übernehmen – und nichts vorenthalten.

Die wichtigste Frage ist:
Wessen Worte sind das?
Die Worte sollen der Person gehören.
Nicht dem Computer.
Und nicht der Assistenz.

Es gibt zwei Fehler.
Fehler 1: Die Hilfe spricht für die Person.
Fehler 2: Die Person bekommt keine Hilfe.
Beides ist nicht gut.

Aus der Praxis: Stichwörter werden Sätze

Wie das im Alltag aussieht, beschreiben Nele Diercks und Lars Tiedemann in ihrem gemeinsamen Praxisbericht in der Fachzeitschrift Unterstützte Kommunikation (Heft 2/2026). Nele Diercks, Expertin in eigener Sache und ehrenamtlich UK-Referentin der Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation, spricht mit den Augen: Sie steuert ihren Sprachcomputer mit Blicksteuerung und Verweilen, in großen Feldern, und drückt sich in Stichwörtern aus. Seit Ende 2023 nutzt sie Künstliche Intelligenz – direkt aus ihrem Vokabular in Grid heraus.

  1. Stichwörter schreiben. Zwei oder drei Wörter im Schreibfeld, zum Beispiel „lecker Pizza“.
  2. Die Absicht wählen. Eine Frage, eine Bitte, eine Aufforderung, ein Gefühl, eine Ablehnung. Diese eine Wahl entscheidet, ob am Ende ein Ja oder ein Nein herauskommt – nicht das Sprachmodell.
  3. Sechs Vorschläge. Echte Alternativen, keine Varianten desselben Satzes.
  4. Vorlesen lassen. Jeden Vorschlag kann sie sich vorlesen lassen, bevor sie wählt.
  5. Wählen – oder verwerfen. Kein Satz verlässt das Gerät, den sie nicht gewählt hat.

„Ich bin nicht unabhängig von Hilfen, Technik und Assistenz. […] Vielleicht hilft mir meine Assistenz. Vielleicht hilft mir die KI. Aber: Ich kann entscheiden. […] Die KI macht nicht immer alles richtig. Manchmal passen die Vorschläge nicht. Ich entscheide, was gesagt wird. Nicht die KI.“

Aus dem gemeinsamen Praxisbericht „KI und UK“ in der Fachzeitschrift Unterstützte Kommunikation, Heft 2/2026

Offenlegung: Der Heilpädagoge Lars Tiedemann (AssistUK) hat das Vokabular und die KI-Felder entwickelt. Die Fragen weiter unten gelten deshalb ausdrücklich auch für unsere eigenen Werkzeuge.

Nele Diercks spricht mit den Augen.
Sie hat einen Sprach-Computer.
Sie schreibt zwei oder drei Stich-Wörter.
Dann wählt sie: Was will ich sagen?
Eine Frage? Eine Bitte? Ein Nein?
Die KI macht sechs Sätze.
Nele Diercks lässt sich jeden Satz vorlesen.
Dann wählt sie einen Satz aus.
Oder keinen.

Nele Diercks sagt:
„Ich entscheide, was gesagt wird.
Nicht die KI.“

Die Leiter der Eingriffstiefe

Damit die Debatte genauer wird, ordnen wir alle Hilfen – menschliche wie maschinelle – nicht nach „Mensch oder Maschine“, sondern nach einer Frage: Wie tief greift die Hilfe in die Äußerung ein? An jede Sprosse stellen wir drei Fragen: Wer hat die Absicht? Wer liefert den Inhalt? Wer trifft die letzte Wahl – und ist sie echt?

  1. 9  Automatische Antwort – ohne Auswahl
  2. 8  Antwortvorschlag aus dem Gesprächsverlauf
  3. Der Bruch: Ab hier kommt die Absicht nicht mehr von der Person
  4. 7  Satz aus Stichwörtern – das Praxisbeispiel oben
  5. 6  Glätten und Umformulieren
  6. 5  Vorgefertigte Sätze von anderen
  7. 4  Eigene Sätze von früher
  8. 3  Wortvorhersage – das nächste Wort
  9. 2  Wortergänzung
  10. 1  Rechtschreibung und Grammatik
  11. 0  Vokabular auswählen und anordnen

Sprosse 0 ist die, die man vergisst: Jemand hat entschieden, welche Wörter auf dem Gerät sind. Ein Wort, das zwölf Schritte entfernt liegt, gibt es praktisch nicht. Der Bruch liegt zwischen 7 und 8 – nicht zwischen Mensch und Maschine. Bis Sprosse 7 kommt die Absicht von der Person; ab Sprosse 8 kommt sie von woanders: aus dem Gesprächsverlauf, aus Annahmen über die Person, aus dem statistischen Mittel.

Jede Sprosse gibt es menschlich und maschinell. Wer im Elterngespräch „in ihrem Sinne“ antwortet, ohne zu fragen, steht auf Sprosse 9 – genau wie eine Automatik. Und höher ist nicht schlechter: Die Sprosse verbietet nichts, sie sagt, wie viel Absicherung eine Hilfe braucht – Sichtbarkeit, echte Auswahl, Abschaltbarkeit, Zeit.

Woher die Leiter kommt. Die Leiter ist eine Praxisableitung, kein Forschungsbefund. Entstanden ist sie in einem Gespräch mit einem Sprachmodell über Ideen und Visualisierungen zu Künstlicher Intelligenz, Unterstützter Kommunikation und Selbstbestimmung. Der Vorschlag, die Hilfen wie die Sprossen einer Leiter zu ordnen, kam aus dem Sprachmodell; der Autor Lars Tiedemann hat ihn geprüft, übernommen und verantwortet ihn. Die Frage nach Absicht und Inhalt stammt von Griffiths und Kolleginnen und Kollegen (2025); verwandt ist die Leiter mit den Automationsstufen von Sheridan und Verplank (1978) und mit Hancock, Naaman und Levy (2020) – herangezogen wurden diese Arbeiten dabei nicht.

Die Leiter im Einzelnen – mit Tabelle und zwölf Regeln

Es gibt viele Arten von Hilfe.
Man kann sie ordnen wie eine Leiter.
Unten: Die Hilfe ändert wenig.
Zum Beispiel die Recht-Schreib-Hilfe.
Oben: Die Hilfe ändert viel.
Ganz oben antwortet der Computer allein.
Dann braucht es viel Schutz.
Die Person muss es merken.
Und sie muss es ausschalten können.

Wichtig ist die Stelle zwischen 7 und 8.
Bis 7 will die Person etwas sagen.
Ab 8 kommt die Idee von jemand anderem.

Woher kommt das Bild von der Leiter?
Der Autor Lars Tiedemann hat mit einem Computer-Programm gesprochen.
Es ging um Ideen und Bilder zu KI, Unterstützter Kommunikation und Selbst-Bestimmung.
Das Computer-Programm hat die Leiter vorgeschlagen.
Der Autor hat den Vorschlag geprüft.
Er ist dafür verantwortlich.

Fünf Dinge, die sich bewährt haben

Zuerst der Zugangsweg

Jede KI-Funktion muss über den Zugangsweg der Person bedienbar sein – zum Beispiel mit den Augen und Verweilen. Eine Funktion, die einen Rechtsklick oder Ziehen verlangt, gibt es für eine Person mit Blicksteuerung nicht.

Bewerten gehört zur Bedienung

Wer Vorschläge bekommt, braucht einen eigenen Weg, sie zu bewerten – etwa eine Skala von 0 bis 10: Rückmeldung geben, Änderungen verlangen, verwerfen. Das ist die technische Form der eigenen Entscheidung.

Assistenz bleibt

Hinweisfenster, Updates, Fehlermeldungen: Künstliche Intelligenz erzeugt Inhalte, Menschen halten das System am Laufen. Was sich ändert: Die Person kann auch dann differenziert reden, wenn die eingearbeitete Assistenz gerade nicht daneben sitzt.

Daten bleiben bei der Person

Keine Angaben über Menschen in fremde KI-Systeme, solange es nicht ausdrücklich gewählt ist. Wo Cloud-Dienste genutzt werden, entscheidet die Person – informiert, mit Alternativen, widerrufbar.

Nichts übernehmen, nichts vorenthalten

Die Leiter ist eine Bauanleitung, keine Zulassungsprüfung. Wer sie benutzt, um jemandem eine Hilfe zu verweigern, hat sie missverstanden.

Das haben wir gelernt:
1. Die KI muss mit den Augen gehen.
Oder mit dem Weg, den die Person nutzt.
2. Die Person sagt: Das ist gut. Oder: Das ist nicht gut.
Zum Beispiel mit einer Zahl von 0 bis 10.
3. Die Assistenz ist weiter wichtig.
4. Persönliche Daten bleiben bei der Person.
5. Jeder darf Hilfe bekommen.

Konkrete KI-Anwendungen in der Unterstützten Kommunikation

Wortvorhersage

KI-gestützte Sprachmodelle analysieren Kontext und Nutzerverhalten, um die wahrscheinlichsten nächsten Wörter vorherzusagen. Neuere Kommunikationssoftware bindet große Sprachmodelle ein, die den ganzen Satzzusammenhang einbeziehen — nicht nur den letzten Buchstaben. Ob das im Alltag wirklich Zeit spart, hängt von der Trefferquote und vom Tempo der Person ab; die Studienlage dazu ist seit dreißig Jahren widersprüchlich.

Satz-Generierung

KI-Assistenten können auf Basis weniger ausgewählter Schlagworte oder Symbole vollständige, grammatisch korrekte Sätze generieren. Das kann die Zahl der nötigen Auswahlschritte deutlich verringern — besonders wichtig bei eingeschränkter Motorik oder Ermüdung. Wie viel Zeit das im Alltag spart, ist bisher kaum untersucht.

Personalisierte Stimmen

Neuronale Text-to-Speech-Systeme erzeugen aus wenigen Minuten Stimmaufnahmen eine synthetische Stimme, die der natürlichen Sprechstimme sehr ähnelt. Mehrere Anbieter ermöglichen das inzwischen, auch aus wenigen erhalten gebliebenen Aufnahmen. Die Passung einer Stimme reicht dabei tiefer als Klang und Akzent: Sie berührt Zugehörigkeit und Selbsterkennen.

KI-gestützte Symbolauswahl

Bilderkennungs-KI kann automatisch passende Symbole für neu erstellte Inhalte vorschlagen. Sprachmodelle können Synonym-Vorschläge, kontextbezogene Vokabularerweiterungen und Umformulierungen bieten — was die Erstellung und Pflege von Kommunikationsoberflächen erheblich vereinfacht.

Blicksteuerungs-Kalibrierung

KI-basierte Algorithmen verbessern die Präzision von Eye-Trackern durch adaptive Kalibrierungsmodelle. Sie lernen aus erfolgreichen Blickzielpunkten und korrigieren individuelle Abweichungen automatisch — ohne manuelle Neukalibrierung. Dies ist besonders wertvoll für Menschen mit variablen motorischen Zuständen.

Gestensteuerung & Brain-Computer-Interfaces

KI-gestützte Gestenerkennung ermöglicht kontaktlose Steuerung über Handbewegungen. In der Forschung werden Brain-Computer-Interfaces entwickelt, bei denen neuronale Signale direkt in Sprachausgabe übersetzt werden — relevant für Menschen mit Locked-in-Syndrom oder ALS.

KI hilft auf verschiedene Arten:
KI schlägt das nächste Wort vor.
KI kann aus wenigen Worten einen ganzen Satz machen.
KI kann eine eigene Stimme aus alten Aufnahmen erstellen.
KI hilft, die Augensteuerung besser einzustellen.
Das macht die Kommunikation schneller und einfacher.

Bilder, Musik und eigene Werkzeuge

Künstliche Intelligenz wird längst nicht nur zum Reden genutzt. Sie erzeugt Bilder, schreibt Liedtexte, komponiert Musik — und singt. Für die Unterstützte Kommunikation ist das kein Randthema: Ausdruck ist Teilhabe, und viele Wege dorthin waren bisher an eine Körperbeherrschung gebunden, die nicht jeder hat.

Wer nie einen Pinsel halten konnte, kann jetzt Bilder machen. Wer nie ein Instrument greifen konnte, kann ein Lied schreiben, das andere hören. Wer nicht singen kann, kann eine Stimme singen lassen. Das ist dieselbe Bewegung wie beim Sprechen: Die Maschine schlägt vor, der Mensch wählt — und der Mensch bestimmt, was am Ende sein Werk ist.

In der Praxis begegnet uns das an vier Stellen: beim Erzeugen von Symbolen und Material (eine Aufgabe der Fachkräfte, keine Äußerung der Person), beim Malen und Gestalten, beim Schreiben von Texten und Liedern und beim Erzeugen von Musik und Gesang.

Wo wir die Grenze ziehen: Das sind Kunst- und Ausdruckswerkzeuge — keine Therapie, kein Heilversprechen. Was dabei entsteht, gehört der Person, die es gemacht hat; und niemand muss offenlegen, mit welchem Werkzeug er gearbeitet hat.

Und dann ist da noch das Programmieren. Künstliche Intelligenz schreibt auch Software. Für dieses Feld ist das keine Nebensache, sondern vielleicht der größte Hebel: Symbole zeichnen, Vokabulare bauen, Oberflächen entwickeln, übersetzen — was Jahrzehnte an Spezialwissen und große Budgets voraussetzte, können heute deutlich mehr Menschen in kürzerer Zeit leisten. Mittelfristig heißt das: Vokabulare, Symbole und Stimmen auch für Sprachen und Kulturen, für die es sie bisher schlicht nicht gab, weil sich ihre Entwicklung wirtschaftlich nie getragen hat. Auch ein Teil dessen, was auf diesen Seiten steht, ist so entstanden — unter zwei Bedingungen: Ein Mensch prüft, bevor etwas vor einer Person landet, und Angaben über konkrete Menschen gehen nicht in fremde Systeme.

Zwei Dinge sind hier anders als beim Text: Erstens die Kennzeichnung — bei Bild, Ton und Video greift die Ausnahme für redaktionell geprüfte Inhalte nicht. Wer KI-erzeugte Bilder veröffentlicht, legt das offen; das gilt für Materialien und Produkte, nicht für die Äußerungen von Menschen. Zweitens die Verlässlichkeit: Bildmodelle setzen Verneinungen schlecht um. Wer „ohne Schrift“ verlangt, bekommt oft Schrift. Wer damit Symbole erzeugt, muss jedes Ergebnis ansehen, bevor es vor einem Menschen landet.

Ausführlich steht das in zwei Grundlagentexten: Jeder Mensch ist ein Künstler zum erweiterten Kunstbegriff und Jeder Mensch ist musikalisch zur Musik als Teilhabe. Zur Kennzeichnungsfrage: Ein Etikett ist kein Urteil. Ein Werkzeug zum Ausprobieren ist DigitalPainters.

KI kann noch mehr als beim Reden helfen.
KI kann Bilder malen.
KI kann Lieder schreiben.
KI kann Musik machen.
KI kann auch singen.
Das ist gut für Menschen,
die nicht malen oder spielen können.
Denn jeder Mensch kann Kunst machen.
KI kann auch Programme schreiben.
So gibt es bald mehr Hilfen
für mehr Sprachen auf der Welt.
Wichtig ist:
Das Werk gehört dem Menschen.
Und es ist keine Therapie.
Es ist Kunst.

Chancen und Risiken

Die Integration von KI in die Unterstützte Kommunikation eröffnet erhebliche Chancen — bringt aber auch ethische und praktische Fragen mit sich, die die UK-Community aktiv diskutiert.

Chancen

  • Schnelleres Antworten — das Tempo-Gefälle ist eine der härtesten Teilhabebarrieren
  • Mehr sagen können als Wünsche: erzählen, scherzen, widersprechen
  • Die eigene, schwer verständliche Stimme lesbar machen statt sie zu ersetzen
  • Eine eigene Stimme haben statt der zufällig verfügbaren
  • Unabhängiger von der Anwesenheit eingearbeiteter Menschen
  • Vokabulare und Symbole auch für Sprachen, für die es sie bisher nicht gab

Risiken & offene Fragen

  • Urheberschaft: Wessen Äußerung ist das — die der Person oder die des Modells?
  • Der doppelte Maßstab: Wer plötzlich mehr sagt, wird geprüft statt beglückwünscht
  • Vorenthaltung: Fachleute können zu Türstehern werden — die Sorge, die Nutzende am häufigsten nennen
  • Datenschutz: Kommunikationsinhalte gehören zum Sensibelsten, was es gibt
  • Der Ton: Glättung macht Menschen höflicher, als sie sind — und verändert, wie das Umfeld sie einschätzt
  • Sprachmodelle lernen aus dem normativen Mittel, nicht aus der Sprache dieser Person
  • Bei Menschen im Spracherwerb: automatisierte Sätze können Lerngelegenheiten wegnehmen
  • Fehlende Evidenz: kaum Studien zur Wirksamkeit in der Praxis

Eine fachverbandliche Position zu Künstlicher Intelligenz in der Unterstützten Kommunikation ist uns bislang nicht begegnet — weder international noch im deutschsprachigen Raum. Was es gibt, sind Fachaufsätze, Tagungsbeiträge und die Selbstverpflichtungen der Hersteller.

KI hat viele gute Seiten:
Kommunikation wird schneller.
Die eigene Stimme kann gespeichert werden.

Aber es gibt auch Fragen:
Wessen Worte spricht die KI?
Was passiert mit den persönlichen Daten?
Man sollte immer gut nachdenken.
Und selbst entscheiden, was man nutzen möchte.

Offene Fragen an Hersteller, Fachwelt und Forschung

Aus unserer Praxis bleiben Fragen, die keine Einzelperson beantworten kann. Wir stellen sie, wo immer über Künstliche Intelligenz in der Unterstützten Kommunikation gesprochen wird:

  1. Sprosse 0: Wer entscheidet, welche Wörter – und welche KI-Funktionen – auf dem Gerät sind? Wie reden die Nutzenden mit, bevor die erste Äußerung entsteht?
  2. Ab Sprosse 7: Sind KI-Funktionen ab Werk ausgeschaltet, zeigen sie die eigene Eingabe weiter an, bieten sie echte Alternativen – und funktionieren sie mit jedem Zugangsweg: Blicksteuerung, Taster, Verweilen?
  3. Handlungsmacht statt Autorschaft: Wie verhindern wir, dass Menschen geprüft werden, sobald sie mehr sagen – und was beobachten wir stattdessen?
  4. Kinder im Spracherwerb: Wann ersetzen die oberen Sprossen eine Lerngelegenheit? Studien dazu gibt es bisher nicht – nur gute Gründe für Vorsicht und die gut belegte Wirksamkeit von Modeling und Ko-Konstruktion.

Prüffragen für jedes einzelne Werkzeug – wer wählt aus, bleibt das Original sichtbar, kann die Person es abschalten, wo laufen die Daten hin – stehen im Grundlagentext „Wessen Worte sind das?“ (PDF).

Wir haben noch Fragen.
Wer bestimmt, welche Wörter im Sprach-Computer sind?
Ist die KI am Anfang aus?
Kann man sie mit den Augen bedienen?
Oder mit einem Taster?
Warum wird man geprüft, wenn man mehr sagt?
Was ist gut für Kinder, die gerade sprechen lernen?

Unsere Position

Wir haben aufgeschrieben, wofür wir stehen — in einem Satz: Es gilt, was die Person bestimmt.

Das ist keine Freundlichkeit, sondern eine Beweislastregel. Nicht die Person muss belegen, dass eine Äußerung von ihr stammt; wer zweifelt, muss begründen. Gemessen wird nicht die Autorschaft — wer hat welches Wort produziert —, sondern die Handlungsmacht: Zeigt die Person Absicht, kann sie widersprechen, abbrechen, das Thema wechseln? Dann ist die Botschaft ihre, gleich mit welchem Werkzeug sie entstanden ist. Der Gedanke stammt von der britischen Selbstvertreterin Beth Moulam.

Daraus folgen sechs Grundsätze, unter anderem: Zugang ist die Regel, Vorenthaltung braucht eine Begründung. Was die Person nicht selbst abstellen kann, darf nicht eingeschaltet sein. Der Ton gehört der Person. Und: Gekennzeichnet werden Produkte und Materialien, nicht die Äußerungen von Menschen — ein Offenlegungszwang wäre Zwangsoffenbarung der Behinderung.

Vier Texte führen das aus, alle kostenlos:

  • Es gilt, was die Person bestimmt — das Positionspapier: sechs Grundsätze, acht Selbstverpflichtungen, Erwartungen an Hersteller, Fachkräfte, Kostenträger und Forschung. 11 Seiten.
  • Wessen Worte sind das? — wie Künstliche Intelligenz in der Praxis eingesetzt wird, mit einem gemeinsamen Bericht von Nele Diercks und Lars Tiedemann und Bildschirmfotos aus ihrem Alltag.
  • Hilfe, die nicht übernimmt — die Ethik aller Hilfen, nicht nur der Künstlichen Intelligenz: Ko-Konstruktion, Wortvorhersage und vorgefertigte Sätze werfen dieselbe Frage auf. Mit zwölf Regeln für die Praxis.
  • Ein Etikett ist kein Urteil — was die europäische KI-Verordnung seit dem 2. August 2026 an Kennzeichnung verlangt, und was sie ausdrücklich nicht verlangt.

Alle Texte zu Künstlicher Intelligenz

Wir haben unsere Regeln aufgeschrieben.
Die wichtigste Regel ist:
Der Mensch entscheidet, was gesagt wird.
Nicht der Computer.
Der Mensch muss nichts beweisen.
Niemand darf für den Mensch antworten.
Der Mensch muss die Hilfe ausschalten können.
Es gibt 4 Texte dazu.
Alle Texte sind kostenlos.

Videos zu KI & Unterstützte Kommunikation

Hier gibt es Videos zum Anschauen.
Die Videos erklären, wie KI beim Sprechen hilft.
Man kann die Videos auf dieser Seite abspielen.
Dafür muss man auf den Knopf drücken.

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Was KI in der Unterstützten Kommunikation beschleunigen darf, was sie nie ersetzen darf – und die sechs Prüffragen für jedes heutige und künftige Werkzeug – bündelt der Grundlagentext: „Wessen Worte sind das?“ (PDF). Weitere Texte unter Downloads → Grundlagentexte.

Es gibt einen längeren Text über KI.
Er sagt: Die Wörter gehören der Person.