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Wo tut es weh?

Von Lars Tiedemann, Dipl. Heilpädagoge · Stand: August 2026
Gilt für Deutschland: Die genannten Gesetze sind deutsches Recht. Die UN-Behindertenrechtskonvention gilt international – ihre Umsetzung ist von Land zu Land verschieden.
Diese Gesetze gelten in Deutschland.
Andere Länder haben andere Gesetze.
Das Recht auf Teilhabe gilt überall.

Vier Fragen, die jede Praxis stellt

Wo tut es weh, wie fühlt es sich an, wie stark ist es, seit wann – das sind die vier Fragen, mit denen jede Untersuchung beginnt. Wer sie nicht beantworten kann, wird seltener behandelt. Nicht weil der Schmerz kleiner wäre, sondern weil er nicht ankommt.

Diese Seite macht die vier Fragen zeigbar. Sie ersetzt keine Untersuchung. Sie sorgt dafür, dass die Antwort von der Person kommt und nicht von der Begleitung, die schneller ist.

Die Wörter sind dieselben wie auf den Papiertafeln, mit denen wir arbeiten. Wer die Tafel kennt, findet sich hier sofort zurecht – und umgekehrt.

Beim Arzt kommen fast immer 4 Fragen:

Wo tut es weh?
Wie tut es weh?
Wie stark tut es weh?
Seit wann tut es weh?

Hier können Sie die Antworten zeigen.
Tippen Sie auf die Wörter, die stimmen.

Unten steht dann Ihre Antwort.
Die können Sie ausdrucken.
Oder in der Praxis zeigen.

Wo tut es weh?

Von Kopf bis Fuß. Die Reihenfolge bleibt immer dieselbe – auch ohne Lesen findet man so wieder, wo etwas steht.

Tippen Sie auf die Stelle, die weh tut.
Es dürfen auch mehrere sein.

Wie tut es weh?

Die Art des Schmerzes sagt der Ärztin oft mehr als die Stärke. Brennend, stechend und krampfartig führen zu ganz verschiedenen Fragen.

Wie fühlt sich der Schmerz an?

Wie stark?

Farbe, Zahl und Wort stehen zusammen. Eine Reihe von Gesichtern allein reicht nicht: Sie wird regelmäßig als Stimmung gelesen und nicht als Schmerz.

Wie stark ist der Schmerz?
0 heißt: gar nicht.
10 heißt: ganz stark.

Seit wann?

Die Frage, die im Termin die meiste Zeit kostet, wenn sie erst dort gestellt wird. Vorher geklärt spart sie die Hälfte des Gesprächs.

Seit wann tut es weh?

Ihre Antwort

Das Ergebnis in einem Stück – zum Zeigen auf dem Bildschirm, zum Vorlesen oder zum Ausdrucken. Es wird nichts gespeichert und nichts verschickt.

Das haben Sie ausgewählt.
Sie können es zeigen oder ausdrucken.
Es wird nichts gespeichert.

Wo
Wie
Wie stark
Seit wann

Wenn jemand nicht zeigen kann

Zeigen setzt voraus, dass jemand zeigen kann. Viele Menschen können das nicht – und haben trotzdem Schmerzen. Dann bleibt die Beobachtung, und die ist genauer, als ihr Ruf sagt. Entscheidend ist nicht der Dauerzustand, sondern die Veränderung: Was ist seit gestern anders?

  • Im Verhalten: Unruhe oder umgekehrt Rückzug, Schreien, Abwehr beim Anfassen, eine neue Schonhaltung, Weinen ohne erkennbaren Anlass.
  • Am Körper: schnellere Atmung, Schwitzen, Herzrasen, Blaesse – und bei Menschen mit Spastik eine plötzlich stärkere Spastik. Sie ist oft das einzige Schmerzsignal, das es gibt.
  • Im Gesicht: zusammengezogene Stirn, zusammengekniffene Augen, verzogener Mund, angespannte Kiefer.
  • Im Alltag: schläft schlechter, isst weniger, möchte nicht in den Rollstuhl, mag eine Bewegung nicht mehr, die gestern noch ging.

Drei Verwechslungen kommen immer wieder vor und lohnen den ersten Blick:

  • Ein Harnwegs-Infekt zeigt sich bei Menschen ohne Lautsprache oder mit Katheter oft nicht als Brennen, sondern als Verwirrtheit und Unruhe.
  • Zahnschmerz zeigt sich als Nahrungsverweigerung, einseitiges Kauen oder Hand am Gesicht.
  • Eine Verhaltensänderung kann eine Neben-Wirkung sein. Wer ein neues Medikament bekommen hat, sollte danach gefragt werden dürfen.

Was beobachtet wurde, gehört aufgeschrieben und mitgenommen: was, seit wann, wie oft, was es besser macht. Das ist keine Diagnose – es ist der Befund, den nur das Umfeld erheben kann.

Manche Menschen können nicht zeigen.
Sie haben trotzdem Schmerzen.

Dann schauen Sie genau hin.
Wichtig ist: Was ist heute anders als gestern?

Zum Beispiel:
Die Person ist unruhig.
Oder ganz still.
Die Person weint.
Die Person will nicht angefasst werden.

Oder:
Die Atmung geht schneller.
Die Person schwitzt.
Die Muskeln sind fester als sonst.

Oder:
Die Person schläft schlecht.
Die Person isst weniger.

Schreiben Sie auf, was Sie sehen.
Und nehmen Sie den Zettel mit zum Arzt.

Was hilft – auf beiden Seiten

Die Person und ihr Umfeld

Vor dem Termin

  • Die vier Antworten vorher zusammenstellen und ausdrucken.
  • Die Wörter für Körper und Schmerz aufs Gerät legen – erreichbar in ein bis zwei Schritten, sonst nützt das Wort nichts.
  • Eine Papierfassung mitnehmen. Im Liegen und im Untersuchungsraum ist sie oft das Einzige, was geht.
  • Ein Zeichen für Stopp verabreden, bevor es losgeht.
Ärztinnen, Ärzte, Pflege

Im Termin

  • Fragen Sie die Person, nicht die Begleitung – auch wenn die Antwort länger dauert.
  • Eine Frage nach der anderen. Zwei Fragen in einem Satz sind mit Ja und Nein nicht zu beantworten.
  • Lassen Sie zeigen: auf den eigenen Körper, auf ein Bild, auf eine Skala. Das ist eine Auskunft, keine Vermutung.
  • Kündigen Sie jede Berührung an und halten Sie sich an das Stopp-Zeichen.
  • Nehmen Sie die Beobachtungen des Umfelds als Befund. Sie sind der einzige Zugang zu einem Schmerz, der nicht gesagt werden kann.

Das hilft Ihnen:
Machen Sie die Antworten vorher fertig.
Drucken Sie den Zettel aus.
Nehmen Sie eine Tafel aus Papier mit.
Verabreden Sie ein Zeichen für Stopp.

Das können Ärztin und Pflege tun:
Fragen Sie die Person selbst.
Stellen Sie nur eine Frage auf einmal.
Lassen Sie die Person zeigen.
Sagen Sie vorher, was Sie tun.

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