1.0×
Schrift
Kontrast

Welche Ärztin macht was?

Von Lars Tiedemann, Dipl. Heilpädagoge · Stand: August 2026
Gilt für Deutschland: Die genannten Gesetze sind deutsches Recht. Die UN-Behindertenrechtskonvention gilt international – ihre Umsetzung ist von Land zu Land verschieden.
Diese Gesetze gelten in Deutschland.
Andere Länder haben andere Gesetze.
Das Recht auf Teilhabe gilt überall.

Zuerst zur Haus-Ärztin

Fast jeder Weg beginnt an derselben Stelle. Die Haus-Ärztin behandelt das meiste selbst, und wenn nicht, schickt sie weiter – mit einem Überweisungs-Schein zur Fach-Ärztin oder mit einem Einweisungs-Schein ins Krankenhaus. Zum Zahn-Arzt, zur Frauen-Ärztin und zur Augen-Ärztin kann man auch ohne Überweisung gehen.

Im Leben mit Behinderung ist die Haus-Praxis mehr als eine Anlaufstelle: Sie kennt die Person über Jahre, sie hält die Medikamente zusammen, und sie verordnet auch das Kommunikations-Hilfsmittel. Eine feste Praxis zu haben ist deshalb selbst ein Stück Versorgung.

Eine bekannte Bruchstelle: der Wechsel von der Kinderärztin in die Erwachsenen-Medizin. Wer das rechtzeitig vorbereitet, verliert nicht Jahre an gewachsener Kenntnis.

Gehen Sie zuerst zur Haus-Ärztin.
Sie behandelt das meiste selbst.

Wenn nötig, schickt sie Sie weiter.
Dafür gibt es einen Überweisungs-Schein.

Ohne Überweisung dürfen Sie gehen:
zur Zahn-Ärztin,
zur Frauen-Ärztin,
zur Augen-Ärztin.

Gut ist: immer die gleiche Praxis.
Dann kennt die Ärztin Sie.

Ich habe etwas am …

Der Alltag fragt nicht nach der Fachrichtung, sondern nach dem Körperteil. Deshalb steht er hier links, und das Fachwort klein daneben – man braucht es nur für den Überweisungs-Schein.

Hier finden Sie die richtige Ärztin.
Suchen Sie links den Körper-Teil.
Rechts steht, wer dafür da ist.

Wenn es hier istgehen Sie zu
Alles, was neu istDie Haus-Ärztin Allgemein-Medizin
Sie ist immer der erste Weg. Sie behandelt vieles selbst und schickt Sie weiter, wenn es nötig ist.
AugenDie Augen-Ärztin Ophthalmologie
Sehen, Augen-Schmerzen, Entzündungen, Brille.
Ohren, Nase, HalsDie HNO-Ärztin Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde
Hören, Schlucken, Luft durch die Nase, Entzündungen.
Zähne und MundDie Zahn-Ärztin Zahnmedizin
Zähne, Zahn-Fleisch, Schmerzen im Mund. Auch Vorsorge.
Haut, Haare, NägelDie Haut-Ärztin Dermatologie
Ausschlag, Flecken, Wunden, die nicht heilen, Haut-Krebs-Vorsorge.
HerzDie Herz-Ärztin Kardiologie
Herz-Rhythmus, Herz-Schwäche, Blut-Hoch-Druck. Macht EKG und Ultraschall.
Lunge und AtmungDie Lungen-Ärztin Pneumologie
Atem-Not, Husten, Asthma, Schlaf-Apnoe. Auch das Schlaf-Labor.
Magen und DarmDie Magen-Darm-Ärztin Gastroenterologie
Bauch-Schmerzen, Durchfall, Verstopfung. Macht Magen- und Darm-Spiegelung.
Nieren und BlaseDie Nieren-Ärztin Nephrologie
Nieren-Werte, Dialyse. Blut-Hoch-Druck gehört oft dazu.
Wasser-Lassen, Prostata, HodenDie Urologin Urologie
Blase, Harn-Röhre, Prostata, Katheter. Blut im Urin gehört sofort hierher.
Brüste, Scheide, Gebär-MutterDie Frauen-Ärztin Gynäkologie
Vorsorge, Verhütung, Regel-Blutung, Schwangerschaft, Wechsel-Jahre.
Gehirn, Nerven, MuskelnDie Nerven-Ärztin Neurologie
Epilepsie, Spastik, Schlag-Anfall, Taubheits-Gefühle. Macht EEG.
Knochen und GelenkeDie Orthopädin Orthopädie
Rücken, Hüfte, Skoliose, Sitz-Versorgung, Schienen und Einlagen.
Wunden, Brüche, OperationenDie Chirurgin Chirurgie
Näht Wunden, gipst Brüche, operiert.
Gefühle und Gedanken (Medikamente möglich)Die Psychiaterin Psychiatrie
Depression, Angst, Psychosen. Darf Tabletten verschreiben.
Gefühle und Gedanken (Gespräche)Die Psycho-Therapeutin Psychotherapie
Behandelt mit Gesprächen. Verschreibt keine Tabletten.
Bilder vom InnerenDie Radiologin Radiologie
Röntgen, CT, MRT. Man geht nicht von selbst hin, sondern mit Überweisung.

Das medizinische Zentrum für Erwachsene – MZEB

Es gibt eine Stelle, die in keinem Aufklärungsbogen steht und für viele die wichtigste ist: das Medizinische Zentrum für erwachsene Menschen mit Behinderung, kurz MZEB. Es ist für Erwachsene da, deren Behandlung in einer normalen Praxis nicht in zehn Minuten geht – weil mehrere Erkrankungen zusammenkommen, weil Verständigung Zeit braucht, weil Untersuchungen anders ablaufen müssen.

Dort arbeiten mehrere Berufe zusammen: Ärztinnen verschiedener Fachrichtungen, Psychologie, Physio- und Ergo-Therapie, oft auch Logopädie und Sozialdienst. Die Termine sind länger. Man kommt mit einer Überweisung und meldet sich vorher an; Wartezeiten von einigen Monaten sind üblich.

Ein MZEB ersetzt die Hausärztin nicht – es kommt dazu, für die Fragen, die sonst zwischen den Fachrichtungen liegen bleiben.

Es gibt besondere Zentren.
Sie heißen MZEB.

MZEB ist für erwachsene Menschen
mit Behinderung.

Dort arbeiten viele Fach-Leute zusammen.
Ärztinnen, Psychologen, Therapeuten.

Dort hat man mehr Zeit für Sie.

Sie brauchen eine Überweisung.
Und Sie müssen sich anmelden.
Oft dauert es ein paar Monate.

Ihre Haus-Ärztin bleibt trotzdem wichtig.

Therapie ist keine Arzt-Praxis

Physio-Therapie, Ergo-Therapie und Logopädie sind eigene Berufe, keine Fachärztinnen. Man geht dort mit einer Verordnung hin, die die Ärztin ausstellt. Genau dieser Weg führt auch zur Unterstützten Kommunikation: Die Logopädie stellt den Bedarf fest, die Ärztin verordnet das Hilfsmittel.

Was auf dem Rezept stehen muss, welche Diagnosen tragen und wie die Genehmigungsfiktion wirkt, steht auf unserer Seite Für Ärztinnen und Ärzte.

Es gibt noch andere Fach-Leute:

Physio-Therapie: für Bewegung.
Ergo-Therapie: für den Alltag.
Logopädie: für Sprechen und Schlucken.

Dafür brauchen Sie eine Verordnung.
Die bekommen Sie von der Ärztin.

Über die Logopädie geht auch der Weg
zu einem Sprach-Computer.

Was hilft – auf beiden Seiten

Die Person und ihr Umfeld

Bevor Sie anrufen

  • Beim Anmelden gleich sagen, was gebraucht wird: mehr Zeit, ein Termin am Rand statt im vollen Wartezimmer, eine höhenverstellbare Liege, eine Waage, die im Rollstuhl geht.
  • Fragen, ob die Praxis stufenlos erreichbar ist – das steht selten auf der Internetseite.
  • Überweisung, Gesundheitskarte, Medikamentenliste und Kommunikationspass zusammenlegen.
  • Die Antwort auf Wo tut es weh? vorher zusammenstellen und ausdrucken.
Ärztinnen, Ärzte, Praxisteam

Beim Anmelden und im Termin

  • Beim Termin einen Vermerk in die Akte: was diese Person braucht. Dann muss es beim nächsten Mal niemand wieder erklären.
  • Doppelte Terminlänge kostet einmal Zeit und spart sie danach.
  • Sagen, wenn eine Untersuchung in dieser Praxis nicht möglich ist – und wohin sie geht. Ein ehrliches „hier nicht, aber dort“ ist besser als ein Termin, der scheitert.
  • Das Kommunikationsgerät gehört mit ins Sprechzimmer. Es ist die Stimme der Person.

Das hilft Ihnen:
Sagen Sie beim Anmelden, was Sie brauchen.
Zum Beispiel: mehr Zeit.
Oder: einen Termin, wenn wenig los ist.

Fragen Sie: Komme ich ohne Stufen hinein?

Nehmen Sie mit:
die Überweisung,
die Gesundheits-Karte,
die Liste mit Ihren Medikamenten.

Das kann die Praxis tun:
Mehr Zeit einplanen.
In die Akte schreiben, was Sie brauchen.
Ehrlich sagen, wenn etwas nicht geht.
Das Gerät mit ins Zimmer lassen.

Weiterlesen